Schutz vor Infektionen: Impfen wir zu viel ?
Film, ganzer Vortrag "Impfungen des Pferdes" Prof. Thein, Art-Gerecht-Pferd 07.03.2026: https://www.youtube.com/@Art-Gerecht-Pferd
Datei zur Präsentation "Impfungen des Pferdes" Prof. Thein, Art-Gerecht-Pferd 07.03.2026:
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Chronische Erkrankungen, Hufrehe, Allergien und Hautprobleme sind heute immer stärker auftretende Probleme, wegen denen der Tierhalter bei Tierarzt oder Tierheilpraktiker um Hilfe bittet. Doch wo kommt das her? Impfungen und Medikamentengaben werde als Auslöser hierfür nicht oder selten genannt bzw. damit in direkten Zusammenhang gebracht.
Impfungen sind ein nicht zu unterschätzender Eingriff in das Immunsystem. Was Tierhalter und auch viele Tierärzte über Schutz- und Nebenwirkungen von Impfstoffen erfahren, stammt zumeist von den Herstellern der Impfstoffe selbst. Unabhängige und objektive Impfaufklärung ist selten, Studien bei Tieren über die Wirkungen und Nebenwirkungen der einzelnen Impfungen sind sehr gering und wenig bekannt. Hier werden einige wertvolle Informationen und Fachartikel zur Verfügung gestellt.
Impfungen - Ein Interview mit Prof. Dr. Thein*
Es gibt Beobachtungen, dass ein Stallwechsel, der Import eines Pferdes, das Reisen mit Pferden oder auch ein Turnieraufenthalt in Verbindung mit Impfungen als Folgeerscheinung, eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
Beobachtet wurde hier u.a. das Sommerekzem, als Überempfindlichkeit gegen Stiche der Stechmücken, oft erst in der darauffolgenden Saison.
Aber auch Atemwegsprobleme, Stoffwechselerkrankungen oder Hufrehe scheinen als Reaktion nach Impfungen nicht selten und durchaus möglich zu sein. Oft scheinen die Probleme direkt nach der Impfung, nach Tagen oder erst nach Wochen oder sogar Monate später aufzutreten.
1. Wie können Sie die Beobachtungen erklären, dass sich ein Sommerekzem nach Impfungen in oder nach einer Stresssituation entwickelt?
Prof. Thein: Das Sommerekzem hat viele Ursachen, z.B. Schmutzinfektion durch Bakterien, vor allem in Verbindung mit UV Belastung, Nässe usw., genetische Disposition, z.B. Isländer mit Typ 1 Allergie gegen Kriebelmückenspeichel, Immundisposition. Hierbei kann exo – wie endogener Stress eine triggernde Rolle spielen.
2. Können wir hier von einer Überbelastung des Körpers durch zu viel unbekannte Toxine, körperfremde Eiweiße mit einer darauffolgenden Überreaktion = Allergie ausgehen?
Prof. Thein: Wiederholte Exposition gegenüber einem Allergen kann zur Bindung dieses Antigens an vorgebildete Antikörper der Mastzellenoberfläche führen. Diese wird zerstört und die Zellen entlassen Histamin und Serotonin, was zu spontanen allergischen Reaktionen führen kann.
3. Warum scheint es problematisch zu sein, in Stresssituationen (wie Herdenverlust, Stallwechsel, Reitturnier) zu impfen?
Weil jeder Stress ACTH, also Hormone aus der Cortisonreihe, induziert und das eine immunsupprimierende (das eigene Abwehrsystem unterdrückende) Wirkung bedingen könnte.
4. Wie ist das zu erklären? Gibt es hier wissenschaftliche Untersuchungen? Wenn ja, wo sind hier Studien zu finden? …..
Prof. Thein: Sie sind genügend vorhanden, z.B. in meiner Publikation zum „richtigen Impfen“.
5. Was kann passieren, wenn in einen geschwächten Körper geimpft wird? Wie können die Auswirkungen aus ihrer Sicht aussehen?
Prof. Thein: Zunächst nicht der gewünschte Erfolg der Stimulierung des Immunsystems. Dann weitere klinische Folgen. Siehe dazu in den „Impfschadenunterlagen“.
6. Eine Wirksamkeit der Impfung hängt von vielen Faktoren ab. Wie hoch schätzen Sie das Nutzen- Risikoverhältnis bei der Influenzaimpfung persönlich ein?
Prof. Thein: Das Nutzen Risikoverhältnis geht zu Gunsten des Impferfolges.
Schwachstellen sind:
- Wir kennen nie exakt den im Feld kursierenden Influenza (H3/N8) Virenstamm
- Ist er identisch mit dem Impfantigen?
- Es gibt keinen labormäßig erfassbaren Parameter für eine belastbare Impfimmunität beim Pferd.
- Auch das geimpfte Pferd kann, vor allem unter Stress, noch Virus ausscheiden.
- Es bleibt immer ein Wettlauf zwischen den Impfantigenen im jeweiligen Impfstoff
und den besonders im Hämagglutinin (führen zur Verklumpung von roten Blutkörperchen) gedrifteten (abgewandelte) Feldviren (von der Wildbahn aufgenommene).
- Wir haben keinen belastbaren heterogenen Kreuzschutz zwischen diesen Stämmen.
7. Wie erklären Sie sich, dass weiterhin gegen Herpes geimpft wird, obwohl die Impfung nicht vor Ausbruch der Krankheit schützt?
Prof. Thein: Merkantile (Kaufmännische) Gründe und falsche Vorgaben der STIKO des BpT (Bundesverband praktizierender Tierärzte).
8. Wie stehen Sie zu den neuen Kombinationsimpfungen Influenza/ Tetanus, die nach der Bestimmun der FN nun halbjährlich wiederholt werden müssen?
Prof. Thein: Es gibt keine neue Influenza/ Tetanusvakzinen. Der Fehler dieser Kombi- Impfstoffe liegt in deren gedankenloser Anwendung durch die Praktiker. Richten Sie sich – und das geschieht meist – nach den Influenzaterminen, wird damit viel zu oft gegen Tetanus geimpft. Das Pferd benötigt nach korrekter Grundimmunisierung nur ca. alle 15 Jahre eine Tetanuswiederholung – wie der Mensch. Jedoch nicht alle 6 oder 12 Monate wie besonders mit den Kombiimpfstoffen.
9. Gibt es Möglichkeiten der Turnierteilnahme ohne Impfungen, wenn der Pferdebesitzer nachweisen kann, dass sein Pferd mit einem schwachen Immunsystem oder einer Vorerkrankung die Impfung voraussichtlich nicht unbeschadet überstehen wird?
Prof. Thein: Das hängt von der Fachkenntnis und der Zivilcourage des jeweiligen Turniertierarztes ab.
10. Wie wird bewiesen, dass Impfstoffe wirken?
Prof. Dr. Thein: Durch die im Zulassungsverfahren vorgeschriebene Belastungsinfektionen und die Antikörperbildung nach der Impfung. Diese Vorschriften sagen – vor allem wenn sie nicht am Pferd erhoben werden – allerdings nur bedingt etwas über die tatsächliche Schutzwirkung aus.
11. Wenn ein Impfstoff nachweißlich keine zufriedenstellende Wirkung erzielt, wird er dann vom Markt genommen?
Prof. Thein: Das wäre schön! S. „Equine Herpesviren“.
Gefahren
12. Impfkritiker behaupten, etwaige Probleme nach Impfungen/ Nebenwirkungen/ Langzeitfolgen/ Spätfolgen/ Schäden würden heruntergespielt, weil sie nicht mit der Impfung in Verbindung gebracht werden können. Sie können allerdings auch nicht widerlegt werden. Welche Inhaltsstoffe sehen Sie als problematisch an und warum?
Prof. Thein: Es ist sehr schwierig, eventuelle negative Impffolgen kausal dem Impfstoff als Verursacher beweisend zuzurechnen. Es gibt kaum glaubhafte Nachweisabsichten seitens der Impfstoffhersteller sowie schlüssige Nachweisverfahren. Problematisch ist weit vor den verfügbaren Pferdeimpfstoffen die Reklame der Hersteller, deren Beipackzettel mit z.T. veralteten und/oder falsche Angaben sowie das Verhalten der der Praktiker, die sowohl diesen Beipackzettel als auch der „Impfleitlinie“ gerne folgen. In den existierenden Impfstoffen sind meist die Begleit- und Hilfsstoffe, pferdefremdes Eiweiß usw. Ursachen für Impfschäden, ebenso wie falsche, z.B. unsterile Anwendung usw.
* Prof. Dr. Dr. med. vet. habil. Peter Thein
Fachtierarzt für Pferde Fachtierarzt für Mikrobiologie
1. 1964 -1969 Tätigkeit am Institut für Blutgruppen- und Resistenzforschung München
2. 1969- 1982 Institut für Infektionsmedizin und Medizinische Mikrobiologie,
Tierärztliche Fakultät der Ludwig Maximilians Universität München
a. Entwicklung der Pferdevirologie, Pathogenese, Diagnostik usw.
b. Entdeckung und Erstbeschreibung neuer pferdepathogener Viren, z.B. Säugerreoviren als Ursache von Atemwegserkrankungen des Pferdes. Erstisolation EHV4aus Pferdegehirn bei der EHM
Erstisolation EHV2 aus Augen von Pferden, Ursache der Keratoconjunctivitis Erstbeschreibung von EHV3 als Ursache des Deckexantems usw.
c. Erstmals gelungene chemische Inaktivierung von EHV und EHV‹. Entwicklung des lmpfstoffes Resequin usw.
3. Leiter des WHO collaborating center for comparative virology, München
4. Ab 1981 eigene Fachtierarztpraxis für Pferde, Hengsthalter
5. Leitender Fachredakteur und Herausgabe des „Handbuch Pferd”
6. 1984-1993 Leiter der weltweiten Forschung und Entwicklung Biologie der Bayer AG und Leiter des Instituts für Biologische Forschung und Entwicklung.
Forschung und Entwicklung von Impfstoffen in Deutschland und den U.S.A.
7. Berater der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, von Bundes- und Ländertierärztekammern, Gestüten, Biologisch Forschender Pharmaindustrie usw.. Leiter der Arbeitsgruppe lnfektionsschutz der Deutschen Gesellschaft für Pferdemedizin, Gründungsmitglied der Ständigen lmpfstoffkommission bis 2010.
8. ca. 200 wissenschaftliche Publikationen zum Thema Infektionsmedizin Pferd, Mitarbeit an zahlreichen Lehr und Fachbüchern usw..
9. 33 Jahre Hochschullehrer mit eigener Vorlesung an der Tierärztlichen Fakultät München zum Thema: „Infektionsmedizin und Infektionsschutz des Pferdes”.
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Pferde Rhein-Main April 2026
von: Sabine Heüveldop
Thema: Impfungen beim Pferd
19.03.2026
Impfen – eine Vertrauenssache?
Im Pferdealltag sind Impfungen oft Routine: Termin, Pieks, Stempel, fertig. Aber wogegen schützen sie – und wogegen nicht? Professor Thein appelliert an Pferdehalter, genauer hinzusehen: Empfehlungen und entsprechende Maßnahmen zu prüfen, Informationen sorgfältig zu lesen und Grundlagen zu Wirkung, Grenzen und Risiken zu kennen.
Eine Impfung ist Vertrauenssache. Wer sein Pferd impfen lässt, verlässt sich auf den Tierarzt, auf Empfehlungen der StIKo Vet – und auf sein Gefühl: „Ich tue das Richtige, mein Pferd ist geschützt.“ Prof. Dr. Dr. habil. Peter Thein warnt davor, sich darauf zu verlassen. Was er im Umgang mit Impfungen seit Jahrzehnten beobachtet, sei oft alles andere als korrekt und vertrauenswürdig. Der seit mehr als 40 Jahren auch als praktizierender Fachtierarzt für Pferde und Fachtierarzt für Mikrobiologie tätige Wissenschaftler beschäftigt sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich und praktisch mit Infektionskrankheiten der Pferde und den Möglichkeiten ihrer Bekämpfung – in Forschung und Entwicklung, Lehre und Klinik. Bei der Bayer AG arbeitete er an der veterinärmedizinischen Impfstoffentwicklung; in leitender Funktion war er für die weltweite biologische Forschung verantwortlich und Chef des Instituts für Biologische Forschung und Entwicklung.
Prof. Thein kritisiert grundsätzlich, dass Impfstoffe zunehmend unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet und eingesetzt würden. Wörtlich sagt er: „Impfstoffe werden immer mehr als Mittel zum Zweck der Gewinnmaximierung beurteilt und verwendet. Bedauerlicherweise werden von eigentlich verantwortlichen Stellen Impfempfehlungen gegeben, die zum Teil unkorrekte und wissenschaftlich konträre Anwendungspraktiken unterstützen.“ Eines dieser Beispiele ist ausgerechnet eine Impfung, die viele als unstrittig betrachten: die gegen Tetanus.
Impfen ohne Notwendigkeit Impfungen können nur dann zur Pferdegesundheit beitragen, wenn sie wirksam, verträglich und indiziert sind. Zur Impfung gegen Tetanus sagt Prof. Thein: „Die Impfung gegen Tetanus führt nach der Grundimmunisierung beim jungen Pferd durch eine zweimalige Impfung, möglichst erst nach dem 9. Lebensmonat, sowie einer Impfung ein Jahr danach zu einer sicher belastbaren Immunität, über 15 Jahre und mehr. Dies ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich belegt und nachgewiesen.“ Thein kritisiert, dass in der Praxis dennoch teils wiederholt gegen Tetanus geimpft werde, obwohl frühere Impfungen im Pferdepass dokumentiert seien. Wiederholungsimpfungen seien nach seiner Auffassung – wenn überhaupt – in achtjährigen Intervallen vorzunehmen.
Seine Erkenntnisse aus der Praxis fasst er so zusammen: „Es ist offenbar in manchen Pferdekliniken und -praxen inzwischen Usus, dass jedes Pferd, das – aus welchen klinischen Gründen auch immer – behandelt werden soll, zunächst gegen Tetanus geimpft wird, auch gegen den ausdrücklichen Wunsch des Besitzers. Das geschieht unter Ignorieren der ohnehin in der Regel schon zu häufig vorgenommenen, aus dem Pferdepass zu entnehmenden Impfungen.“ Sein Vorwurf lautet: „Pferde werden nicht nur diesbezüglich ohne jede Notwendigkeit zu häufig geimpft.“
Auch den Impfstoffherstellern wirft Thein vor, wissenschaftliche Publikationen zum Impfrhythmus gegen Tetanus zu ignorieren. Dieser unterscheide sich in Europa obendrein von Land zu Land. Den Gebrauchsinformationen zufolge würden Wiederholungsimpfungen in Abständen von ein bis zehn Jahren empfohlen.
Dauerthema Herpes
Noch weniger nachvollziehbar sei, so Thein, wie Impfungen gegen equine Herpesviren propagiert und praktiziert werden. Equine Herpesviren (EHV) verbleiben nach der Erstinfektion lebenslang latent im Pferd, etablieren sich in verschiedenen Zellsystemen und können jederzeit reaktiviert werden. „Die Latenz ermöglicht es den Viren, sich Impfungen zu entziehen. Solange wir dies nicht in den Griff bekommen, wird Impfen nicht funktionieren“, sagt Prof. Thein. Da die Impfung gegen Herpesviren beim Pferd seit Jahren kontrovers diskutiert wird, sollten Pferdehalter die wichtigsten Grundlagen kennen.
Prof. Thein fasst sie in zehn Punkten zusammen:
1. Von den derzeit klassifizierten Herpesviren des Pferdes sind im Rahmen des Problems die Typen 1 und 4 (EHV-1 und EHV-4) relevant. Zwischen den beiden besteht eine gewisse Beziehung, einen immunologischen Kreuzschutz gibt es jedoch nicht.
2. Nach der Erstinfektion bleiben diese Viren im Pferd. Sie persistieren, das heißt, sie verbleiben latent im Körper. Dabei bevorzugen sie bestimmte Zellsysteme, in denen sie sich etablieren und in ein Ruhestadium gehen.
3. Die Viren können jederzeit, zum Beispiel durch Stress, aktiviert werden, vermehren sich und gelangen ins Blut. Diese Virämie ist bei EHV-1 die Regel, bei EHV-4 die Ausnahme. Beide werden über die Atemwege ausgeschieden. Die Reaktivierung kann mit oder ohne klinische Symptome verlaufen. Eine belastbare Immunität lässt sich durch keine Impfung erreichen.
4. Bis zu 90 % der untersuchten Pferde und Pferdepopulationen sind auf diese Weise infiziert. Einmal infizierte Pferde bleiben Virusreservoir und scheiden Viren aus. Auch diesen Zustand kann keine Impfung verhindern.
5. Weder EHV-1 noch EHV-4 führen zu behandlungsbedürftigen Atemwegserkrankungen. EHV-4 ist eher das Herpesvirus des jungen Pferdes. EHV-1 verursacht gelegentlich manifeste Atemwegsinfektionen leichter Natur. Bei tragenden Stuten kann ein Spätabort die Folge der EHV-1-Infektion sein. Individuell lässt sich dieser durch die Impfung nicht verhindern. Die international dazu verfügbaren Daten belegen dies seit Jahrzehnten.
6. Humorale, serologisch messbare Antikörper bewirken keinen immunologischen Schutz. Dieser ist infolge natürlicher Infektion zellassoziiert, das heißt, Antikörper bewirken keinen Schutz vor Infektion und Manifestation. Dieser Schutz beruht auf der durch die Herpesinfektionen induzierten Abwehr durch aktivierte, zellgebundene T-Zellen. Unabhängig davon spielt die paraspezifische, antigenunabhängige Abwehr durch dendritische Zellen, Makrophagen, NK-Zellen usw. eine wichtige Rolle.
7. Wiederholte EHV-Impfungen können das Risiko für neurologische Verläufe erhöhen. Mehrere internationale Fallserien berichten, dass regelmäßig geimpfte Pferde unter den EHM-Fällen (Equine Herpesvirus-Myeloenzephalopathie) überrepräsentiert waren – dies betraf auch die in Valencia 2021 und 2022 erkrankten Pferde. Die StIKo Vet widerspricht einem direkten Zusammenhang, räumt jedoch ein, dass neurologische Fälle auftreten können, wenn häufiger geimpft wird als empfohlen.
8. Der internationale Wissensstand ist: Gegen EHM kann und darf nicht geimpft werden. „Wir wissen noch zu wenig über die genauen Mechanismen, die zu EHM führen“, erläutert Prof. Thein. Symptome wie Hinterhandlähmungen und – im schlimmsten Fall – Paralysen könnten auch Folgen einer immunologisch vermittelten Gefäßerkrankung des Rückenmarks sein. Die Auswirkungen ähnelten einem Bandscheibenvorfall beziehungsweise Schlaganfall beim Menschen („equine stroke“). Entstehung und Verlauf von EHM beruhten auf einem Zusammenspiel verschiedener Einflüsse, die bis heute nur teilweise verstanden seien – von der individuellen Immunlage, u. a. auch Doppelinfektion mit EHV-1 und EHV-4, bis zu Stress, langen Transporten oder häufigen EHV-1-Impfungen. Bekannt ist auch, dass bei EHM eine Selbstheilungsquote betroffener Pferde von etwa 50 % vorliege.
9. Allerdings beansprucht kein zugelassener Impfstoff einen solchen Schutz. EHM wird in keiner Gebrauchsinformation genannt – und diese Angaben sind rechtlich bindend. Thein sagt: „Ein EHM-Schutz darf weder zugesichert noch beworben werden. Das wäre ein Off-Label-Use – und damit rechtlich relevant.“ Dennoch werde Pferdebesitzern, die dieses Wissen in der Regel nicht haben, die EHV-Impfung auch im Zusammenhang mit der Vermeidung von EHM empfohlen. Dies sei weder virologisch noch klinisch noch epizootiologisch nachvollziehbar.
10. „Herdenimmunität ist unter realen Bedingungen auch bei Herpes niemals erreichbar“, betont Prof. Thein und entkräftet damit ein weiteres Ziel der Impfung. In seinen Untersuchungen kommt er zu dem Ergebnis, dass rund 25 % der Pferde immunologisch ohnehin nicht ausreichend auf Impfungen ansprechen – sogenannte Hypoergiker. Um rein rechnerisch auf den notwendigen Anteil von 75 % wirksam geschützter Tiere zu kommen, müssten praktisch 100 % mit definitiv wirksamen Vakzinen geimpft werden – in einem Bestand, der vollständig aus einer Hand korrekt und regelmäßig betreut wird: „Grau ist alle Theorie.“
Wo bleibt der Schutz der Pferde?
Prof. Thein fasst zusammen: „Zum Individual- und Populationsschutz empfohlene Schutzimpfungen reduzieren sich für Pferde bei der gegenwärtigen Infektions- und Impfstofflage auf Influenza und Tetanus. Herpes ist nicht impfpräventabel. Existente Impfstoffe können weder Infektion, Virusausscheidung, Erkrankung noch EHM verhindern.“
Die StIKo Vet führt EHV seit Jahren als Core-Impfung. Core heißt aus Sicht der Kommission, dass jedes Pferd, jederzeit, unabhängig von Alter, Haltung oder Nutzung geschützt sein sollte. Prof. Thein hält diese Einstufung für einen „fundamentalen Fehler“. „Auch eine aktuell veröffentlichte Meta-Analyse bescheinigt den EHV-Impfstoffen mangelnde Wirksamkeit“, so Thein. Aus diesen Zusammenhängen folgert er, dass nur Influenza und Tetanus Core-Komponenten darstellen.
2025 wandten sich Dr. Michael Düe, ehemaliger Leiter der Abteilung Veterinärmedizin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), und Prof. Peter Thein mit einem offenen Brief zur aktuellen Impfleitlinie der StIKo Vet an die Öffentlichkeit. An der bisherigen Linie änderte das jedoch nichts: Eine Reaktion der StIKo Vet blieb aus. Der Hersteller des Herpesimpfstoffs zeichnet geimpfte Pferde mit einem Orden für die Boxentür aus. Einige Tierseuchenkassen, etwa in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, bezuschussen derzeit Impfungen gegen EHV.
Damit, so Prof. Thein, würden erneut wissenschaftliche Erkenntnisse zu Infektion und Impfung ignoriert, die international abgesichert seien. Zudem hält er das Vorgehen auch rechtlich für fragwürdig und kritisiert Zuschüsse für EHV-Impfungen als Geldverschwendung.
Ungeachtet dessen wurde im Oktober 2025 auf dem 30. Deutschen Tierärztetag – auf Initiative des Arbeitskreises ‚Tierschutz und Pferdesport‘ – ein Beschluss gefasst: Die Pferdesportverbände sollen aufgefordert werden, eine Impfpflicht für die Core-Impfungen gemäß der Leitlinie zur Impfung von Pferden der StIKo Vet in ihre Regularien aufzunehmen. Dazu zählt weiterhin auch die Impfung gegen EHV.
Wenn der Schutz durch die Herpes-Impfung nicht zuverlässig zugesichert werden kann, Risiken aber mitbedacht werden müssen, bleibt die Frage, warum der Druck auf Pferdehalter dennoch wächst.
Wo bleibt das Vertrauen?
Prof. Thein formuliert seinen Auftrag an die Tierärzteschaft so: „Verantwortliche Kollegen und Institutionen müssen sich deutlich mehr als bisher über Ziel, Qualität, Legalität und Inhalte von Impfstoffen inklusive deren Gebrauchsanweisungen informieren. Vor allem müssen sie die Pferdebesitzer darüber auch aufklären.“
Sein Vorwurf geht noch weiter: Wer die Herpes-Impfung weiter empfehle, betreibe „eine bewusste Irreführung und Täuschung der Pferdebesitzer“ – und begehe in seinen Augen „Verrat am Tier“.
Impfungen bleiben Vertrauenssache. Vertrauen ist per Definition die Erwartung, dass Informationen und Empfehlungen verlässlich sind, obwohl man sie selbst nicht kontrollieren kann. Gerechtfertigt ist es nur dann, wenn Pferdebesitzer offen über Nutzen, Grenzen und Risiken aufgeklärt werden.
Zum Nachlesen
Wer die immunologischen Grundlagen und die daraus abgeleiteten Schlüsse zur Impfstrategie beim Pferd im Detail nachlesen möchte, findet sie im Online-Shop des FFP e. V. unter den digitalen Publikationen 2023 („Das alte Pferd im Fokus“):
„Grundlagen zum Abwehr- und Immunsystem des Pferdes und dessen Impfungen“ von Peter Thein. Vortrag auf der Jahrestagung 2023, mit Fragen- und Antwortteil, 17 Seiten, Preis: 6,37 Euro.
www.ffp-ev.de
Neurologische Störungen wenige Stunden nach einer 3fach Impfung (Herpes, Influenza, Tetanus). November 2025. Danke der Besitzerin für die zur Verfügungsstellung der Aufnahmen.

