Jedes Lebewesen besitzt seine persönliche Individualdistanz. Dieser angeborene Schutzmechanismus soll mit dafür sorgen, dass Gefahren und daraus entstehende Verletzungen minimiert werden und dass sich Krankheiten schwieriger übertragen.
Pferde in ihrer natürlichen Umgebung halten Abstand, wenn sie sich fremden Pferden nähern. Je vertrauter und sympathischer sie sich sind, desto eher lassen sie Nähe zu. Dieses Raumverhalten unterscheidet sich nach Rassen und sozialen Bedingungen. Aber auch die Rückzugs- und Fluchtgegebenheiten der jeweiligen Situation entscheiden über die Annäherung.
In der Natur gibt es keine Zäune und der Platz, der eventuell zum Ausweichen benötigt wird, ist quasi uneingeschränkt. In Freiheit können Pferde miteinander in direkter und individueller Nähe den Tag verbringen, in dem sie sich fressend gemeinsam in einer Richtung fortbewegen. Die individuelle Distanz kann eingehalten werden. In Gefangenschaft kommt es hingegen leicht zu Komplikationen. Wenn sich das Nahrungsangebot um einen Heuballen versammelt, kann die erforderliche Distanz oft nicht eingehalten werden. Selbst in Aktivställen kann es zu Engpässen und Stress kommen. In Boxenhaltung werden Pferde nebeneinander gestellt, umgestellt, ausgetauscht - wie es die von Menschen gemachte Situation erfordert. Dabei müssen wir uns klarmachen, dass unser Pferd sich in seiner natürlichen Verhaltensweise niemals ständig so nahe zu einem anderen Pferd stellen würde, wie es der Boxenabstand vorgibt. Die Individualdistanz würde geachtet werden.
Insbesondere in unserer heutigen Pferdehaltung ist es wichtig, uns das zu vergegenwärtigen und wo möglich zu berücksichtigen. Die Rechnung pro Pferd mit 0,5 bis 1 ha Bewegungsgrundfläche zu kalkulieren, dient einer artgerechten Haltung.
Soll ein Pferd in eine neue Herde integriert werden, muss das mit Platz und Zeit erfolgen. Nur wenn es langsam geht und Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind, kann es stressfrei gelingen. Verletzungsgefahren mit dieser Ursache lassen sich somit vermeiden.
Gibt es genügend Raum zum agieren und ausweichen, wird die Verletzungsgefahr entscheidend reduziert.